Testberichte - Canon EOS 450Da und QHY8/Alccd6c – ein Vergleich
DSLRs haben in der Astrofotografie leider den erheblichen Nachteil, dass sie durch den ungekühlten Sensor, vor allem in den Sommermonaten, arg rauschen. Das bedeutet, dass in der knappen Beobachtungszeit mehr Aufnahmen gemacht werden müssen, um das Rauschen auf ein erträgliches Maß zu kompensieren. Da ich schon lange mit dem Gedanken gespielt habe, meine DSLR mit einer Kühlung zu versehen, kam mir das Angebot für eine gebrauchte QHY8/Alccd6c gerade recht. So brauchte ich nicht das waghalsige Unternehmen in Angriff nehmen meine EOS 450Da zu öffnen und am Ende gar noch kaputt zu machen. Da sicher auch andere Astrofotografen einen Umstieg planen und ich kaum Vergleiche der Kameras finden konnte, möchte ich euch an meinen Erfahrungen teil haben lassen.
Technische Daten
| Canon EOS 450Da (a= astromodifiziert mit Baader ACF) | QHY8/Alccd6c |
|---|---|
| Bildsensor: CMOS-Sensor (22,2 x 14,8 mm) Pixel effektiv: 4.272 x 2.848 (12,2 MPixel) Pixelgröße: 5,2µm Seitenverhältnis: 3:2 Datentiefe: 14 Bit Hinweis: Der Standardfilter wurde gegen einen Baader ACF ausgetauscht, welcher auch die rote Ha-Linie durch lässt. Mehr Infos zum Baader ACF: http://www.baader-planetarium.de/sektion/s45/s45.htm Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Canon_EOS_450D |
Bildsensor: Sony Super HADChip ICX453AQ (25,10 x 17,64 mm) Pixel effektiv: 3.032 x 2.016 (6 MPixel) Pixelgröße: 7,8µm Quanteneffizienz: ca. 60% (grün), 50% (blau, H-alpha) Seitenverhältnis: 3:2 Datentiefe: 16 Bit Ungeregelte, zweistufige Peltier Kühlung bis 45K unter Umgebungstemperatur. Quelle: http://astrolumina.de/produkte-1/alccd/alccd6c.php |
Erfahrungen
Die Vorteile der QHY8 liegen ganz klar im besseren Rauschverhalten und der größeren Datentiefe. Leider bringt der Umstieg auch einiges an Arbeit mit sich. Man muss sich zuerst etwas in die Materie einlesen. Die QHY8 sollte nämlich vor der Benutzung kalibriert werden, wenn man optimale Ergebnisse erzielen möchte. Dabei werden die Werte von „Gain“ und „Offset“ so verstellt, bis das Histogramm des Hintergrundrauschens eine bestimmte Form bekommt.
Eine Anleitung zum kalibrieren findet ihr hier: http://elverdissen.dyndns.org/index.php...alccd6c-einmessen
Wenn die Kamera erst einmal eingemessen wurde, können die Werte bei der selben Aufnahmesoftware immer wieder verwendet werden. Meine Werte haben sich mit EZCap 2.2 auf Gain: 46 und Offset: 116 eingependelt.
Nachtrag: Wenn man den vollen Dynamikumfang nutzen möchte, sollte man den Gain Wert auf 0 oder 1 setzen (http://www.stark-labs.com/blog/files/GainAndOffset.php).
Den Offset sollte man nun so einstellen, dass der "Berg" im Histogramm zwischen 100-1000 liegt.
Die Installation der Kamera lief unter Windows 7 x64 Professional und Windows XP x86 Professional ohne Probleme ab. Die Aufnahmesoftware EZCap 2.2 ist komfortabel gestaltet und bietet neben einer schnellen LiveView Funktion (mit 4x4 Binning??) auch ein Menü um Belichtungsreihen zu planen, die dann abgearbeitet werden können.
Um die Stromversorgung kümmert sich ein PC-Netzteil, an dem unter anderem auch die Montierung hängt. Am Netzeil hängt die zur QHY8 zugehörige 12V Wandlerbox, die einmal 18V für die Kameraelektronik per S-Video Buchse und einmal 12V für die Kühlung per Klinke Buchse bereitstellt.
Probleme gibt es leider mit der Taubildung. Bei meinem ersten Test war der Sensor nach ein paar Minuten kühlen am Rand vereist. Dem kann man entgegen wirken, indem man die Kamera am Anfang des Kühlvorgangs mit der Lüftung nach unten hinlegt. So fällt die kalte Luft und ihre Feuchtigkeit direkt auf die Metallplatte mit dem Peltierelement, wo die Feuchtigkeit dann gefriert. Leider gibt es auch Probleme, wenn die Kamera z.B. bei Aufnahmen mit einem Newton Reflektor Teleskop nach unten zeigt. Dabei fällt die kalte Luft auf das Chipfenster, was dann sehr schnell anfängt von außen zu beschlagen. Eine Chipfenster Heizung ist standardmäßig leider nicht im Lieferumfang enthalten, kann aber nachträglich beim Händler erworben werden. Ich habe das Problem mit einem Streifen Trockenmittel gelöst, den ich in den Ring zwischen Kamera und Filterschublade um das Chipfenster geklemmt habe. Bis jetzt hatte ich dadurch keine weiteren Probleme mit Taubildung. Diese flachen Trockenmittelstreifen kann man sehr günstig als A4 Blatt unter diesem Link beziehen: http://www.aquapac.de/silicagel/Produkte/Produkte/NEU-Trockenmittel-Sheets.html
Die Bilder, welche mit der Kamera geschossen werden, werden per USB 2.0 als FITS übertragen und sind rund 12MByte groß und müssen, wenn man sie in Farbe betrachten will, z.B. mit der Freeware Fitswork debayert und somit nach RGB umgewandelt werden. Bei mehreren Aufnahmen mit Flat und Bias Aufnahmen, sollte man die Lights allerdings vor dem debayern mit den Korrekturaufnahmen kalibrieren. Danach erst werden die Lights debayert und gestackt. Programme wie zum Beispiel Deepskystacker machen das automatisch in einem „Rutsch“.
Darkframe Vergleich
Zum Vergleich habe ich jeweils 2 Darkaufnahmen bei Zimmertemperatur gemacht.Die Rohdaten wurden mit Fitswork debayert und das Histogramm auf 0-1200 eingestellt.
Leider habe ich vergessen noch den Bias abzuziehen. Der Vollständigkeit halber habe ich auch die Rohdaten hochgeladen.
| Canon EOS 450Da | QHY8/Alccd6c |
|---|---|
|
Software: EOS Capture 19°C Raumtemperatur Akku halb voll Kamera abgedeckt Display aus 5 Minuten ISO800: Rohdaten (CR2) 10 Minuten ISO800: Rohdaten (CR2) |
Software: EZCap 2.2 (langsame Auslesegeschwindigkeit) Gain: 46, Offset: 116 19°C Raumtemperatur Kühlung lief ca. 30 Minuten Stromversorgung über PC Netzteil 5 Minuten: Rohdaten (FIT) 10 Minuten: Rohdaten (FIT) |
Vorläufiges Fazit
Die QHY8/Alccd6c ist der nächste logische Schritt für DSLR Fotografen, die sich keine hochauflösende schwarzweiß CCD-Kamera leisten wollen oder können. Durch ihre Kühlung und ihre 16 Bit Farbtiefe ist sie den DSLR vor allem im Sommer überlegen. Jedoch muss man einige Zeit zur Einarbeitung einplanen, da es einige Unterschiede vor allem bei der Bildbearbeitung zu DSLR Aufnahmen gibt.
Ich hätte mir zwar persönlich noch etwas mehr von der Kamera erwartet, aber ich stehe ja auch erst am Anfang und kann sicherlich noch einiges bei der Bildgewinnung und -verarbeitung optimieren.